In der vergangenen Sitzung des Studierendenparlaments (04.03.2011) hat die Vertretung der Studierendenschaft des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) die klare Forderung ausgesprochen, der Universität Bayreuth das Promotionsrecht zu entziehen und fordert das KIT auf, den betroffenen Promovierenden eine angemessene Promotionsstelle am KIT anzubieten (vollständiger Wortlaut im Anhang).
Nicht zum ersten Mal beweisen Teile der gewählten Vertreter der Studenten damit fehlenden Ernst und Fingerspitzengefühl in den getroffenen Entscheidungen sowie mangelhaften Fokus auf die elementaren Aufgaben von Studentenvertretern. Statt der Universität Bayreuth in dieser schwarzen Stunde für die deutsche Wissenschaft beizustehen oder die weiteren Abläufe abzuwarten, in denen die Universität den Vorwürfen in der Causa Guttenberg auf den Grund gehen und diese endgültig aufklären will, wird mit den Stimmen einer nicht beschlussfähigen Menge an Abgeordneten (12 von 25 – 9 dafür, 3 dagegen) eine solch groteske Forderung gestellt. Dieses Vorgehen ist fernab jeglicher Solidarität unter Hochschulangehörigen, insbesondere den übrigen Promovierenden an der Universität Bayreuth gegenüber, zumal das KIT nicht einmal alle fachlichen Bereiche der Universität Bayreuth abdeckt und somit gar nicht sämtlichen Promovierenden eine angemessene Promotionsstelle am KIT anbieten könnte. Leider scheiterte der Versuch der Brandt-Zand Liste*, sich mit diesem unnötigen Tagesordnungspunkt gar nicht erst zu befassen, wodurch es zum vorliegenden, inhaltlich sehr fragwürdigen Beschluss kam.
Alexander Zand, 1. Vorsitzender der Brandt-Zand Liste, hierzu: “Einigen anwesenden Abgeordneten in der Sitzung am Freitag war noch nicht einmal bekannt, dass die Universität Bayreuth Herrn zu Guttenberg den Doktortitel bereits am 23. Februar 2011 entzogen hatte. Wie man auf Basis dieser Unwissenheit eine solch weitreichende Forderung stellen kann, ist mir unbegreiflich.”
Zur Arbeit des Studierendenparlaments im Allgemeinen Alexander Zand weiter: “In derselben Sitzung bestand ein Tagesordnungspunkt aus der Verwendung der Studiengebühren für die kommenden zwei Semester. Hierbei geht es um einen zweistelligen Millionenbetrag, der in Zusammenarbeit mit uns Studierenden ausgegeben werden soll. Jedoch hatte sich zu diesem Zeitpunkt kaum einer der Anwesenden mit dieser Thematik näher beschäftigt, denn von den Bemerkungen unserer Liste mal abgesehen gab es nahezu keine Wortmeldungen, stattdessen wurde eine solch elementare Aufgabe auf einen anderen Abend ausgelagert, an dem man sich außerhalb des Studierendenparlaments näher damit befassen wollte.”
Dieser elementare Aufgabenbereich der Studentenvertretung fand also demnach an einem Abend statt, dessen Termin zwar noch genannt wurde, zu dem allerdings weder ein offizielles Treffen angesetzt noch zu dem zu irgendeinem Zeitpunkt schriftlich eingeladen wurde. Dies ist nur ein Beispiel für den mangelhaften Fokus der Studentenvertreter auf ihre tatsächliche Arbeit. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang auch die anhaltende Weigerung weiter Teile des Studierendenparlaments, offiziell die Studierenden des KIT statt der Universität Karlsruhe (TH) zu vertreten**.
Alexander Zand hierzu abschließend: “Es ist absolut unverständlich, wieso sich in diesem Zusammenhang geweigert wird, einen eigentlich rein formellen Vorgang durchzuführen. Einige Mitglieder des Studierendenparlaments scheinen in Anbetracht dieser Vorfälle offensichtlich ihre Aufgaben als studentische Vertreter nicht ernst zu nehmen. Ich hoffe sehr, dass das Studierendenparlament in neuer Zusammenstellung ab April 2011 eine vernünftigere Arbeitsweise an den Tag legen wird.“
Anmerkungen:
*Die Brandt-Zand Liste (www.brandt-zand.de) bezeichnet sich selbst als überparteiliche und vernünftige Liste für die Studierenden. Anfang 2010 gegründet schaffte sie im selben Jahr mit 4,2% auf Anhieb den Sprung ins Studierendenparlament und konnte 2011 die Anzahl der Sitze auf zwei ausbauen und sich einen fast doppelt so hohen Stimmenanteil von 8,2% sichern.
**Die Universität Karlsruhe (TH) existiert in dieser Form seit Oktober 2009 nicht mehr, als sie endgültig mit dem Forschungszentrum Karlsruhe zusammengelegt und die Einheit “Karlsruher Institut für Technologie” (KIT) gegründet wurde.
Anhang:
Beschluss des Studierendenparlaments vom 03.04.2011: “Die Studierendenschaft an der Universität Karlsruhe fordert, dass der Universität Bayreuth das Promotionsrecht entzogen wird. Aus Solidarität mit den betroffenen Promovierenden fordern wir das KIT auf, ihnen eine angemessene Promotionsstelle am KIT anzubieten.”
Pressemitteilung: Kritik an der Forderung, der Universität Bayreuth das Promotionsrechts zu entziehen